- Biodanza ist für diejenigen, die die einfachen Dinge des täglichen Lebens mit Intensität erleben wollen und deren Schönheit erkennen.
- Es ist für all diejenigen, die Musik lieben, da sie gefühlvolle Bewegungen kennen.
- Es ist für Kinder und Erwachsene, für jüngere und ältere Menschen und auch für schwangere Frauen.
- Es ist für all diejenigen, die die Natur lieben, es lieben und genießen, sie auf ihrer Haut zu spüren.
- Es ist für diejenigen, die ein offenes, liebevolles Herz haben und Harmonie und Frieden in den Umarmungen finden.
- Es ist auch für die Ängstlichen, damit sie die andere Seite der Angst finden: Liebe …
- Auch für die, die gar nichts brauchen, da sie wundervoll sind, so wie sie sind, und für die Erleuchteten, damit ihr Licht strahlen kann.
Was ist eigentlich Biodanza? (von U.B.)
Teil 1: Biodanza – Poesie der Begegnung
Sich wie ein Kaiser-Kronen-Kranich in die Lüfte erheben, majestätisch-leicht, alle menschlichen Erschwernisse hinter sich lassen; im Tanz den eigenen Schätzen begegnen und diese zunehmend entfalten helfen, das will Biodanza.
In den 1960er Jahren entwickelte der chilenische Anthropologe, Soziologe und Künstler Rolando Toro diese wundervolle Methode, die seitdem die Welt im besten Sinne einnimmt und von einer ständig wachsenden Zahl von Biodanza-Leiter verbreitet und zunehmend weiter entwickelt wird. Vor mehr als 25 Jahren brachte Cristina Arrieta Biodanza nach Deutschland und gründete die erste Biodanza-Schule in Hamburg. Inzwischen gibt es zehn Biodanza-Schulen allein in Deutschland.
Biodanza stützt sich auf ein sehr positives Menschenbild, wonach wir mit einem unermesslichen Schatz an Potenzialen geboren werden. Leider entwickeln wir aber im Laufe unseres Lebens nur wenige dieser Schätze, manche verkümmern oder werden durch verschiedenste Ereignisse sogar regelrecht verschüttet. Biodanza will uns helfen, diese Potenziale wieder in unser Leben zu integrieren und somit ein höheres Maß an Lebendigkeit zu leben.
Musik, Bewegung und die Gruppe bilden die Zutaten, aus denen die Vivencia (span. Erleben, mit der zusätzlichen Bedeutung im Biodanza: Tanzsession) komponiert wird. Wir Biodanza-Leiter verstehen uns als Ermöglicher (es gibt kein geeigneteres Wort für das spanische facilitador) in dem Sinne, dass wir jeden Tanz als Einladung an die Teilnehmer der Vivencia verstehen, die wir verantwortungsvoll begleiten wollen. Jeder ist eingeladen, in jedem Tanz den für ihn passenden Ausdruck zu finden. Es geht im Biodanza anders als in vielen anderen Tanzmethoden nicht darum, richtig oder schön im ästhetischen Sinne zu tanzen. So können sich die Tänzer in einem geschützten Raum ohne Bewertungen erleben, wo sie sich und anderen begegnen dürfen. Über das passende Maß an Intensität der Bewegung oder Tiefe des Kontaktes zu den anderen Menschen entscheidet jeder jederzeit selbst.
„Mit dem Herzen sprechen, mit dem Herzen hören, mit dem Herzen tanzen; in Kontakt sein, sich und anderen begegnen.“ Hierfür sind Worte nicht unbedingt förderlich, manchmal trennt uns das Reden eher von den Empfindungen. Insofern reden wir im Biodanza sehr wenig. Eine Vivencia beginnt trotzdem mit einem „Tanz der Worte“, bei denen alle eingeladen sind zu einer Art sharing: eine Momentaufnahme der Befindlichkeiten, die nicht notwendigerweise bei jedem fröhlich und leicht ist, weil man vielleicht gerade traurig, ängstlich oder wütend ist. In jedem Fall entsteht so ein gemeinsamer, facettenreicher Schatz der Gruppe, die anschließend miteinander tanzt.
Das Gemeinsame wird im folgenden Kreistanz noch mehr sichtbar. Es folgt im weiteren Verlauf der Vivencia eine Abfolge von Tänzen, die allein, zu zweit oder auch mit mehreren Leuten getanzt wird. Hierbei folgen die Tänze einer Art Spannungskurve, die von aktivierenden, sich in der Bewegung steigernden Tänzen nach einem Höhepunkt zu immer ruhigeren Tänzen führt. Jetzt findet die Bewegung mehr im Inneren der Tänzer statt. In dieser Phase kann dann potenziell Heilung, Wachstum und Weiterentwicklung stattfinden.
Gegen Ende der Vivencia wird wieder etwas aktiviert, bis der gemeinsame Kreistanz die Reise wieder abrundet. Häufig ist während der zwei Stunden eine Gemeinschaft entstanden, zu der wir im täglichen Leben nicht so leicht finden. Sanft wie ein Kornfeld in der Sommerbrise zu wiegen und trotzdem wie eine einzelne Ähre in der Gemeinschaft zu sein, gemeinsam mit Menschen, die man bisher auf dieser Erfahrungsebene wenig kannte, ist ein Beispiel für einen tief gehenden Tanz. Um in diesem Bild zu bleiben: Jede Ähre ist autonom und selbstbestimmt, auch was das Maß an Kontakt angeht.
Mir ist es als facilitador wichtig, bei den Anleitungen in der Vivencia mit einer bildlichen und poetischen Sprache zu arbeiten. Dies erleichtert das Eintauchen in eine andere Welt und kann somit das Erleben vertiefen. So tanzen wir beispielsweise manchmal im Liegen und berühren den Himmel, so dass unsere Arme mit den Sternen tanzen. In anderen Momenten können die Tänzer eingeladen werden, absolut feurig und kraftvoll wie ein Tiger zu sein oder geschmeidig wie eine Schlange zu tanzen, um irgendwann später in einem stillen Kreis zu ruhen und sich ganz dem Frieden und der Geborgenheit hinzugeben.
Man braucht keinerlei Voraussetzungen, so dass Biodanza auch für (vermeintlich) unmusikalische und tanzscheue Menschen gut geeignet ist. Als Biodanza-Leiter finde ich es immer wieder beglückend zu sehen, wenn Menschen sich entfalten und zunehmend in Kontakt mit ihrer Lebensfreude finden. Ein Licht, welches immer da war, beginnt zu strahlen; Leichtigkeit, Fülle und Genuss dürfen sich (wieder) ausbreiten.
Ich weiß noch gut, wie es mir vor mehr als zehn Jahren nach meiner ersten Vivencia ging: Ich schwebte regelrecht nach Hause! Ich hatte erfahren, dass die ausgesprochen vielfältige Musik, die die Grenzen jedes Genres überwindet, wie auch die unterschiedlichsten Tänze irgendwie in Resonanz mit mir getreten sind. Diesen Zauber wollte ich vertiefen und darüber hinaus auch in die Welt bringen. Ich absolvierte die 3jährige Ausbildung bei Cristina Arrieta. Seit mehreren Jahren leite ich eine wöchentliche Gruppe in Münster. Seit Januar 2012 gibt es eine offene Gruppe in Lienen bei Osnabrück. Zunehmend mehr erlebe ich, dass mich Biodanza dabei unterstützt, meine Träume zu leben.
Grundsätzlich ist Biodanza geeignet für Menschen jeden Alters mit unterschiedlichsten Bewegungsmöglichkeiten. Zunehmend positiv wird das Potenzial dieser Methode auch für die Integrationsarbeit jeglicher Ausrichtung beurteilt. Eine wachsende Zahl von Kliniken bietet Biodanza zur allgemeinen Rehabilitation wie auch speziell zur Behandlung von psychischen Störungen an. In angepasster Form ist Biodanza geeignet für Altenheime wie auch Kindergärten. Ich selbst erprobe seit einiger Zeit eine von mir modifizierte Form als lifedance® an Sekundarschulen mit ermutigend positiven Erfahrungen bei Jungen wie Mädchen.
In meinen Gruppen in Münster und Lienen sind Menschen willkommen, die sich im weitesten Sinne bewegen und begegnen wollen. Zusätzlich biete ich einzeln stehende thematische Biodanza-„Reisen“ an sowie im Sommer einen Biodanza-Urlaub auf Spiekeroog: „… und das Leben wird immer leichter”.
Teil 2: Wege zum Glück: Das prinzipiell Positive im Biodanza
Menschen, die neu in Kontakt mit Biodanza kommen, erleben möglicherweise Folgendes:
• Das Positive zu sehen, erscheint Vielen nicht ganz geheuer. Zu kritisieren, sich selbst und letztlich auch andere, erscheint hingegen gesellschaftlich normal, und fällt insofern vielen Mensche leichter.
• Die positive, zugewandte, herzliche Atmosphäre im Biodanza-Raum erleben viele Schnupperer als auffällig. Für manche ist dies sogar irritierend: Wo bin ich nur hingeraten? Stehen die unter Drogen? Bin ich in eine Sekte geraten?
• Bemerkenswert ist die Vitalität der Menschen: Beim Biodanza findet man viele Jüngere, aber genauso auch 50, 60, 70jährige, die eine ungewohnte Lebendigkeit ausstrahlen. Rolando Toro, der als 40jähriger Biodanza entwickelt hatte, stand noch mit über 80 Jahren in einer außergewöhnlichen Präsenz und Vitalität. Ganz offensichtlich hält Biodanza jung, oder besser noch: Es hat das Potenzial, uns sogar jünger werden zu lassen.
Wie schafft Biodanza das?
Vorab muss ich sagen, dass 1000 Worte nicht reichen, das Erleben auch nur einer Session (Vivencia/Tanzstunde) zu beschreiben. Insofern wäre es viel besser, als nur die folgende Abhandlung zu lesen und über sie nachzudenken, an einer Schnupper-Vivencia teilzunehmen. Wir Biodanza-LeiterInnen würden uns sehr freuen!
Trotzdem will ich eine Erklärung versuchen, warum selbst Biodanza-Unerfahrene bereits nach der ersten Vivencia regelrecht nach Hause schweben. Was passiert mit den Menschen im Biodanza, dass sie spontan eine solche Leichtigkeit erleben, die sich viele von uns herbei sehnen und doch manchmal lange schmerzlich vermissen? Hierzu will ich ein paar Gedanken anbieten und Ihnen damit hoffentlich auch den Mund wässrig machen.
Anders als in vielen anderen Tanzmethoden muss man im Biodanza nichts „können“ und macht trotzdem alles „richtig“. Wir tanzen nicht „schön“ oder „richtig“ im klassischen Sinne, sondern laden jede/n TeilnehmerIn ein, im Tanz das Eigene zu finden. Erfahrungsgemäß entlastet dieser besondere Ansatz viele TeilnehmerInnen, weil insofern im Biodanza auch nicht geübt werden muss. Noch wichtiger erscheint mir, dass Erfahrungen von (vermeintlicher) Unzulänglichkeit und Frustration infolgedessen ausgeschlossen werden.
Das, was in jedem Moment der Vivencia vorhanden ist, soll sich zeigen dürfen und wird insofern anerkannt. Dies ist für manche Neuen anfangs ungewohnt. Zunehmend aber machen sich die TänzerInnen frei auch von den eigenen inneren Bewertungen. Man entfaltet im Tanz mehr und mehr das Eigene. In einer Gesellschaft, in der sich viele von uns auf vielen Ebenen unter Stress gesetzt fühlen, tun uns solche Inseln, auf denen sich Leichtigkeit, Wärme, menschliche Nähe und eben auch Freiheit ausbreiten können, außerordentlich gut. Insofern kann man Biodanza durchaus als eine Methode des freien Tanzens beschreiben.
Gleichzeitig ist Biodanza aber insofern strukturiert, als der/die LeiterIn aus einem Fundus von mehreren hundert Tänzen 13 oder 14 für eine Vivencia ausgesucht und diese auf geeignete Weise miteinander verbunden hat. Kombiniert mit 13 oder 14 Titeln aus einem ständig wachsenden Schatz von bald 5000 Musikstücken, praktisch jeden Genres, entsteht so bereits in der Planung ein kleines Kunstwerk. Zum eigentlichen Leben erwachen diese Kompositionen allerdings erst durch die tanzenden Menschen.
Der Zauber entsteht durch die Menschen, die sich einbringen und in allen möglichen Kombinationen miteinander tanzen. Ähnlich wie im Lindy-Hop findet man ständig neue TanzpartnerInnen, oftmals sogar mehrmals innerhalb nur eines Musiktitels. Dieser vielfache Wechsel führt zu einer Leichtigkeit (auch dieser Situation der Partnerwahl) und zur unmittelbar einsetzenden Freude: „Ah, so einfach soll Tanzen sein?“
In einer Vivencia werden manche Tänze alleine, andere zu 2t, dritt, viert etc. und mehrere auch gemeinsam mit Allen getanzt. So gibt es einerseits ständig eine Veränderung und trotzdem wird das Gemeinsame immer wieder sichtbar und auch energetisch fühlbar. Kontakt und Begegnung haben einen sehr hohen Stellenwert. Erfahrungen, die wir uns gemeinsam eröffnen und miteinander teilen, sind ein wichtiger Schlüssel zur Lebensfreude. Die soziale Komponente der in irgendeinem Moment tanzenden Gruppe ist also eine sehr bedeutsame Komponente im Biodanza.
Interessanterweise gelingt das besonders gut mit wenig Reden. Körpersprache ist hingegen viel wichtiger. Das Reden vermindert oder blockiert sogar, physiologisch gesehen, das ganzkörperliche Erleben. Unvergessen sind mir verschiedene Vivencias im Ausland, wo ich mich mit den anderen Tanzenden sehr verbunden fühlte, obwohl ich die jeweilige Sprache nicht verstand. Was haben wir trotzdem zusammen gelacht!
Biodanza versteht sich grundsätzlich als Einladung: Jeder Mensch ist in der Vivencia eingeladen, Erfahrungen zu machen, die sich gut anfühlen sollen. Wie intensiv ein Tanz für jede/n ist, entscheidet nicht der/die LeiterIn, sondern der/die TeilnehmerIn. D.h., wenn ein Tanz als zu bewegungsintensiv erlebt wird, ist jede/r willkommen, die Aktivität zu reduzieren oder auch zu pausieren. Wird ein anderer Moment als zu nah empfunden, darf man auch hier dosieren. Ob man für einen Moment die Augen schließt, sich keine/n PartnerIn sucht, oder an die Seite stellt oder aufs Klo geht …, jede/r ist frei. Die Leitung drängelt nicht und will auch keine Erklärung. Im Biodanza geht es eben nicht zu wie in der Schule.
Ich hoffe, ich hab mit meinen Worten Ihr Interesse geweckt. Seit bald 10 Jahren erlebe ich am eigenen Körper, Geist, Herz und Seele, wie lebendig mich Biodanza macht und hält. Durch Biodanza fühle ich mich dem Glück nah!
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie eigene Erfahrungen mit Biodanza machen wollen. Vielleicht treffen wir uns ja bei der einen oder anderen Gelegenheit sogar. Sie brauchen keinerlei besondere Voraussetzungen, weil Sie all Ihre Schätze sowieso dabei haben. Vielleicht können wir manche davon zum Strahlen bringen.
Herzlich willkommen!
Haben Sie Fragen zu Biodanza?
Schreiben Sie mir gerne.
